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Interview (Altmark Zeitung, 15.01.2009)

"Politische Antworten entwickeln"

Nach dem Besuch des Neujahrsempfangs der IHK Magdeburg sind Sie in diesem Jahr bei den Bündnisgrünen im Lande. Welche, vielleicht auch persönliche, Verbindung haben Sie zu Magdeburg und Sachsen-Anhalt?

Zunächst einmal habe ich mich über die Einladung von Frau Undine Kurth von Bündnis 90/Die Grünen gefreut, da Frau Kurth und ich schon lange ein gutes und herzliches Verhältnis haben. Und dann bin ich natürlich häufiger in Magdeburg. Im März 2005 habe ich hier zum Beispiel die Laudatio auf 1200 Jahre Magdeburg und auf Richard von Weizsäcker als ersten Preisträger des neu gestifteten Magdeburger Kaiser-Otto-Preises gehalten. Das war ein großes Ereignis.

In Sachsen-Anhalt wird über einige Projekte derzeit heiß diskutiert. Die Grünen lehnen sowohl die geplante Verlängerung der Autobahn 14, als auch den Bau eines Kohlekraftwerkes bei Arneburg ab. Welche Meinung haben Sie grundsätzlich zu solchen Investitionen?

Wir müssen in die öffentliche Infrastruktur investieren, auch um die Konjunktur zu stärken und das Land weiter zu modernisieren. Auch ich mag natürlich Solardächer lieber als Kohlekraftwerke, aber viele Experten sagen, dass wir ganz ohne eben nicht auskommen, wenn wir den Atomausstieg vollziehen wollen. Was die beiden konkreten angesprochenen Projekte angeht, so weiß ich zuwenig darüber, um wirklich Auskunft geben zu können.

Sachsen-Anhalt zählt trotz aller Fortschritte in den letzten Jahren zu den strukturschwachen Bundesländern. Das Land hat die höchste Abwanderungsquote. Das Problem trifft, in unterschiedlicher Ausprägung, auf alle neuen Bundesländer zu. Droht ein "Vergreisen" des Ostens?

Nach allem, was ich weiß, ist der Osten dem Westen in der demografischen Entwicklung nur um einige wenige Jahre voraus. Wenn, dann Vergreisen wir also alle gemeinsam. Ich glaube aber, man sollte stärker auf die positive Seite des demografischen Wandels sehen: die Menschen werden älter, bleiben länger gesund, sind auch im Alter aktiver. Es geht einfach darum, dass wir uns gesellschaftlich darauf einstellen und die richtigen Maßnahmen ergreifen. In den Jahren, in denen ich in Frankfurt/Oder gelebt habe, hatte ich auch den Eindruck, dass dort viele neue und kreative Dinge angegangen worden sind. Von einer Vergreisung des Ostens im Sinne eines Nachlassens der Vitalität würde ich also gar nicht sprechen wollen.

Die Linkspartei rangiert in den neuen Bundesländern deutlich vor Ihrer eigenen, der SPD und ist teilweise sogar stärkste Kraft. Wie soll die SPD damit umgehen?

Sie muss die Linkspartei als einen politischen Konkurrenten betrachten, mit dem man auch politisch umgehen muss. Ausgrenzung hilft da wenig. Viele Menschen wählen die Linkspartei, weil sie eine Gerechtigkeitslücke im Land empfinden. Darauf muss meine Partei, die SPD, eine politische Antwort entwickeln.

Die bevorstehende Wahl in Hessen hat Einfluss auf die Zusammensetzung der Bundesversammlung und damit auf Ihre Chancen, zur Bundespräsidentin gewählt zu werden. Mit welcher Konstellation wird die Hessenwahl ihrer Meinung nach ausgehen?


Ich drücke Thorsten Schäfer-Gümbel fest die Daumen. Vor ein paar Tagen machte ja eine Studie die Runde, derzufolge Doppelnamen schlecht für die politische Karriere sein sollen, weil sie unattraktiv klingen und zu kompliziert sind. Bei „TSG“ sehe ich das überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich finde ihn so wie er ist, mit Brille und Doppelnamen, richtig sexy.