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Gustav-Heinemann-Preisverleihung an Bianca Richter und Richard Schröder

Schwan, Müntefering, Schröder, Richter

Die Preisträger des Jahres 2009, Richard Schrödder und Bianca Richter, sowie Gesine Schwan und Franz Müntefering (v.l.n.r.)

Laudatio von Gesine Schwan während der Verleihung des Gustav-Heinemann-Preises am 05.03.2009 in Berlin

Laudationes haben für den Laudator bzw. die Laudatorin den großen Vorteil, dass sie die Welt, die je bekanntlich kompliziert ist, ziemlich klar in zwei Teile aufteilen: da gibt es auf der einen Seite den Namensgeber des zu verleihenden Preises, auf der anderen die Preisträger. Im Idealfall stehen beide in einem bestimmten Zusammenhang, der dann auch den Anlass dafür bietet, dass der Preisträger oder die Preisträgerin eben mit dem nach einer anderen Person benannten Preis ausgezeichnet wird. Wir wollen sehen, ob das heute auch so ist.

 

Zur Gustav Heinemann muss ich Ihnen nicht viel berichten. Er war der erste Sozialdemokrat im Amt des Bundespräsidenten, dessen dramatische Wahl hier in Berlin und heute vor vierzig Jahren nicht nur den gesammelten Unmut der sowjetischen Besatzungsmacht hervorrief - man wollte nicht, dass ein solcher Akt in dem formal nicht zur Bundesrepublik gehörenden West-Berlin vollzogen wurde und flog deshalb mit lärmenden Düsenjägern dicht über die Häuserkanten der geteilten Halbstadt -, sondern dessen Berufung in das Amt des Bundespräsidenten tatsächlich ein „Stück Machtwechsel“ bedeutete, da sie sie eine lange und erfolgreiche Periode der sozialliberalen Zusammenarbeit begründete.

 

Heinemanns Wahl heute vor vierzig Jahren war übrigens keineswegs eine ausgemachte Sache. Da die SPD keine eigene Mehrheit in der Bundesversammlung hatte, als sie Heinemann nominierte, musste sie auf Stimmen aus der FDP hoffen. Es war damals maßgeblich Walter Scheel, der seine Partei davon überzeugte, den Kandidaten der SPD zu unterstützen, was in einem aufsehenerregenden dritten Wahlgang schließlich die Wahl von Gustav Heinemann ermöglichte.

So wurde Heinemann, der zurückhaltende und nüchterne Mann aus Essen, der vor seinem Eintritt in die Politik eine große Karriere in der Industrie gemacht hatte, der dritte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland und einer der zwei Sozialdemokraten, die dieses Amt bislang inne hatten.

Heinemann war nicht der beliebteste Bundespräsident, der in Deutschland amtiert hat. Dafür war er moralisch zu rigoros, politisch zu unbeugsam und in seiner christlich-pazifistischen Gesinnung zu bestimmt, um everybodys darling zu werden.

 

Doch er war ohne Frage in jener bewegten Übergangszeit zwischen der Rekonstruktionsperiode der Nachkriegszeit und der politischen Aufbruchsphase der 1970er Jahre der richtige Präsident. Auch deswegen, weil ihm damals diejenigen vertrauten, die ansonsten zum Staat und seinen Institutionen auf Distanz gegangen waren. Heinemann hatte die deutsche Jugend, die damals mehrheitlich weit links stand, hinter sich. Er bildete als Person einen Vertrauensanker, der verhinderte, dass sich die Schüler und Studenten der 68er Bewegung ganz vom demokratischen Rechtsstaat abwandten. Dies gelang ihm vor allem deshalb, weil er das Freiheitsstreben der jungen Menschen teilte, auch wenn er ihre Energie gerne in anderen Bahnen gelenkt gesehen hätte.

In seiner Antrittsrede am 1. Juli 1969 im Deutschen Bundestag sagte Heinemann: „Wir stehen erst am Anfang der ersten wirklich freiheitlichen Periode unserer Geschichte. Überall müssen Autorität und Tradition sich die Frage nach der Rechtfertigung gefallen lassen. Nicht weniger, sondern mehr Demokratie - das ist die Forderung, das ist das große Ziel, dem wir uns alle und zumal die Jugend zu verschreiben haben. Es gibt schwierige Vaterländer. Eines davon ist Deutschland. Aber es ist unser Vaterland.“

Solche Worte wurden damals auch auf der abdriftenden Linken verstanden – und lösten bei Konservativen und Nationalen Verstimmung aus. Der Selbstverortung der zweiten deutschen Demokratie haben sie allemal gut getan.
Scharf in der Analyse, versöhnlich im Handeln - für mich ist Gustav-Heinemann neben Richard von Weizsäcker mein Vorbild im Amt des Bundespräsidenten.

Vorbild ist aber für mich nicht nur der Namensgeber dieses Preises, sondern auch seine Träger. Seit 1977 verleiht der SPD-Parteivorstand – Franz Müntefering hat dies dargelegt – den Gustav-Heinemann-Preis. „Das Lebenswerk Gustav Heinemanns“ - ich zitiere aus der Satzung des Kuratoriums – „war darauf angelegt, das große Angebot des Grundgesetzes allen Bürgern bewusst zu machen. Mit der Verleihung des Preises sollen Menschen ermutigt werden, diese Forderungen des Grundgesetzes zu erfüllen und in ihrer Haltung und ihren Handlungen mehr eigenverantwortliche Mitwirkung und Mitbestimmung mündiger Bürger in unserem Staat zu wagen.“

Preisträger waren in den vergangenen 32 Jahren so ziemlich alle, die sich um Bürger- und Freiheitsrechte sowie eine lebendige und kritische Demokratie „von unten“ verdient gemacht haben. Die heute zu Ehrenden stehen in einer Reihe mit Bischof Kurt Scharf, dem Pfarrer und ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin Heinrich Albertz, der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer, der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten und Polizistinnen sowie den Bürgerrechtlerinnen Ruth Misselwitz, Ulrike Poppe und Andrea Richter.

Sie alle sind uns Vorbild, wenn es um die Schaffung und Erhaltung eines Klimas der Toleranz, der Freiheit und der Solidarität mit unseren Mitmenschen geht.

Und ein ganz besonders Vorbild sind natürlich die beiden Preisträger von 2009, Bianca Richter und Richard Schröder.

 

Frau Richter – ich beginne, „ladies first“, mit der Dame und zitiere aus der Begründung des den Preis verleihenden Kuratoriums – arbeitet „ beharrlich und voller Idee an der Verwirklichung ihres Ziels, rechtsextreme Einstellungen und Erscheinungen sichtbar zu machen, dagegen etwas zu unternehmen und Demokratie als schützenswertes Gut erfahrbar und erlebbar zu machen.“

Tatsächlich ist das eine ganz außergewöhnliche Situation gewesen, in der Frau Richter vor fünf Jahren in ihrem Heimatort Reinhardtsdorf-Schöna in der Sächsischen Schweiz jene Bürgerinitiative gegründet hat, die heute „Demokratie anstiften“ heißt, und die sich nicht nur gegen Rechtsextremismus richtet, sondern überhaupt Bürgerinnen und Bürger für die Demokratie gewinnen will.

Vergegenwärtigen wir uns: Sachsen ist nach wie vor eine Hochburg der NPD und des Rechtsextremismus. Die NPD erreichte dort bei den Landtagswahlen 2004 9,2 Prozent. Längst sind Neonazis zumindest im ländlichen Raum Teil des Alltags. Es ist „normal“, dass Neonazis versuchen, Veranstaltungen der Demokraten zu stören; es ist „normal“, dass Jugendliche sich nicht mehr dem rechtsextremen Mainstream entgegenstemmen, sondern mit ihm schwimmen, wodurch rechtsextreme Kleidung und Musik zum dominanten Kulturmerkmal geworden sind.

Wir sind hier Zeuge eines kollektiven gesellschaftlichen Versagens.
Das Versagen liegt bei den kommunalen Einrichtungen von der Schule bis zum Bürgermeister, die Rechtsextremismus passiv gegenüberstehen und sich nicht aktiv als Bollwerke der Demokratie begreifen.

Das Versagen liegt auch bei der lokalen Zivilgesellschaft, die sich in manchen Räumen offenbar nie ihrer demokratischen Grundlagen versichert hat.

Das Versagen liegt auch bei den Einzelnen, die sich nicht trauen, ihre Stimme gegen Gewalt und Unrecht zu erheben.
Reinhardtsdorf-Schöna, der Heimatort von Frau Richter, hat traurige Berühmtheit erlangt, weil in diesen 1.600 Einwohner-Dorf jeder vierte NPD gewählt hat. Weil die „Skinheads Sächsische Schweiz“ dort mehr oder minder ungehindert marodieren konnten. Weil alle weggeschaut haben.

In diese Situation hinein hat Frau Richter im Jahr 2004 – die NPD hatte bei den Kommunalwahlen gerade 25,2 Prozent geholt – eine Initiative gestartet. Zusammen mit ihrem Bruder schrieb sie einen Aufruf an die Bürgerinnen und Bürger von Reinhardtsdorf, den sie, wie sie selbst sagt, „bei Nacht und Nebel“ in jeden Briefkasten geworfen haben. Dort stand: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, im Gegensatz zur NPD halten wir die von Freiheit, Gleichheit, Toleranz und freier Meinungsäußerung geprägte demokratische Gesellschaft für die geeignetste Form des menschlichen Zusammenlebens – auch aufgrund der Erfahrungen unserer deutschen Geschichte. In diesen Tagen hört man oft die Meinung, auf die Politik könne man sich nicht mehr verlassen. Wir können die (…) Unzufriedenheit, die zu dieser Auffassung führt, verstehen. Die Auffassung ist trotzdem falsch. Dies zeigt sich auch an vielen Dingen, die die Politik in den zurückliegenden Jahren – trotz schwieriger Rahmenbedingungen – für uns und unsere Gemeinde erreicht hat.“

Dies war die Initialzündung für jenen Verein, der sich im Jahr 2006 in „Demokratie anstiften“ umbenannte und damit zu seinem endgültigen Namen fand. Mit einer ganzen Reihe von Aktivitäten hat er in Reinhardtsdorf-Schöna eine intensive Diskussion über die braun durchsetzte Kultur dieses Ortes in Gang gebracht und daneben auch ganz handfeste Erfolge erzielt.

 

So konnten Frau Richter und ihre Mitstreiter im Jahr 2006 die Wahl eines NPD-Bürgermeisters verhindern, in dem sie einen unabhängigen Kandidaten zur Bewerbung motivierten und ihn bei seinem Wahlkampf coachten. Dieser Kandidat, Olaf Ehrlich, der heute hier anwesend ist und den ich herzlich begrüßen möchte, wurde dann im Juni 2006 mit 67,3 Prozent ins Amt gewählt. Die NPD hatte überraschend auf einen Gegenkandidaten verzichtet.

Daneben organisiert „Demokratie anstiften“ Diskussionsveranstaltungen zum Thema Rechtsextremismus, arbeitet mit Künstlergruppen zusammen, veranstaltet Workshops zum Thema Demokratie und demokratische Kultur und lädt Publizisten und Politiker in die Sächsische Schweiz ein.

Frei von Rückschlägen war diese im besten Sinne aufklärerische Arbeit freilich nie. So wurde es im März 2006 der Initiative erlaubt, ihre Sitzungen im Pfarrhaus Reinhardtsdorf abzuhalten – für einen Mietpreis von 10 Euro pro Meeting. Man kann nur spekulieren, ob der Kirchenvorstand bei dieser Entscheidung ausschließlich das klamme Steuersäckel der Kirche im Osten im Blick hatte …

Und noch im März 2008 lehnte es der Gemeinderat ab, dass „Demokratie anstiften“ auf der Internetseite der Gemeinde vertreten sein darf. Einzige Gegenstimme: Bürgermeister Olaf Ehrlich.
Selbst einer charakterstarken Frau wie Bianca Richter ist es bestimmt nicht leicht gefallen, sich als Nestbeschmutzerin beschimpfen zu lassen. Wie viel leichter ist es doch, Mitläufer zu sein als sich gegen erkanntes Unrecht zu erheben!

Umgekehrt gilt: Eine Veränderung der Verhältniss in Reinhardtsdorf-Schöna war nur möglich, weil jemand aus der Mitte der lokalen Gemeinschaft gegen die herrschenden Zustände aufgestanden ist. Denn dort, wo die Zivilgesellschaft schwach und die demokratischen Strukturen unterentwickelt sind, kommt es zu Schließungen. Man erreicht die Menschen von außen gar nicht mehr, weil sie alle als Feinde betrachten, die sich vermeintlich gegen sie verschworen haben.

Bianca Richter zeigt ungewöhnlichen Mut und Zivilcourage. Sie lässt sich nicht durch Schwierigkeiten und Rückschläge, Anfeindungen und Bedrohungen von ihrem Weg abbringen. Deswegen ist sie eine mehr als würdige Trägerin des Gustav-Heinemann-Preises und wir wünschen uns in so manchem deutschen Landstrich viel mehr Frauen wie Bianca Richter.

Ich beglückwünsche Sie herzlich zum Gustav-Heinemann-Preis, den Sie sich mit Ihrem Kampf gegen die alltägliche braune Gewalt und für die demokratische Kultur mehr als verdient haben!

Meine Damen und Herren, Monthy Pythons legendärem Flying Circus, verdanken wir die wundervolle Wendung: „and now to something completely different“. Jetzt geht es nämlich um Professor Dr. Richard Schröder, den zweiten Heinemann-Preisträger von heute.

Ihm wird der Preis verliehen für sein politisches und publizistisches Mitwirken an der Vollendung der deutschen Einheit. Lieber Richard, ich bin ganz besonders froh, dass Du dieses Jahr Träger des Heinemann-Preises bist. Als engagierter Christ und Bürgerrechtler hast Du nicht nur der friedlichen Revolution in der DDR, sondern auch am Vereinigungsprozess einen ganz erheblichen Anteil gehabt.

 

1943 in Frohburg in Sachsen geboren, warst Du in den 1970er Jahren Pfarrer in Wiederstedt im Harz. Nach der Promotion 1977 – welche erst 1990 staatlich anerkannt wurde – gingst Du als Dozent an die Kirchlichen Hochschulen in Naumburg und Berlin. Und 1991 hast Du Dich an der Katholischen Hochschule in Leipzig habilitiert – aber da lag Deine stürmische politische Karriere schon beinahe wieder hinter Dir. Im Wendejahr 1989 warst Du kirchlicher Berater der Arbeitsgruppe „Mehr Gerechtigkeit in der DDR“. Im selben Jahr bist Du in die SPD eingetreten und hast dort eine steile Karriere gemacht.

Ich vermute, seit dem Paulskirchen-Parlament hat es keinen deutschen Parlamentarier gegeben, der in so kurzer Zeit so viele einflussreiche Funktionen inne hatte. Von Mitte März bis Anfang Oktober 1990 warst Du Mitglied der Volkskammer der DDR und von April bis August auch der Vorsitzende der dortigen SPD-Fraktion. Dem Deutschen Bundestag hast Du dann von Oktober bis Dezember 1990 angehört.

Doch schon 1991 bist Du an die Katholische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin zurückgekehrt, wo Du 1993 auf den Lehrstuhl für Philosophie in Verbindung mit Systematischer Theologie berufen wurdest, den Du seitdem inne hast.

Auch wenn noch hohe politische und gesellschaftliche Ämter folgten – Du bist unter anderem Vorsitzender der Deutschen Nationalstiftung und Mitglied des Nationalen Ethikrats – hast Du doch Deine eigentliche Spielwiese – ich sage das jetzt ganz despektierlich – in der lebensnahen Interpretationen von theologischen Fragen und in Deinen publizistischen Interventionen gefunden, für die Du Deinen gigantischen Wissenshorizont gekonnt einsetzt.

Du bist also den umgekehrten Weg wie Gustav Heinemann gegangen: während dieser über die Kirche und die Wirtschaft zur Politik fand, hast Du von der Politik zur Theologie gefunden. Zumindest vorerst, denn man weiß ja nie, was noch kommt.

Doch a propos Spielwiese: Ich hoffe, ich verrate kein gut gehütetes Geheimnis, wenn ich sage, dass Du auch heute noch entzückend verspielt bist und vor allem gerne mit dem Feuer spielst. Nie habe ich Dich glücklicher gesehen, als wenn ein paar chinesische Knallfrösche in Deine Hände fallen, mit denen Du so richtig feuerwerken kannst.

Was weiß ich noch über Dich zu berichten? Oft denke ich an unsere gemeinsamen Reisen nach Sachsen, in Deine geliebte Heimat. Du weiß so viel über all diese Orte dort und wahrscheinlich kennst Du sogar in Bianca Richters Heimatort Reinhardtsdorf-Schöna – obwohl der 170 Kilometer von Deinem Geburtsort entfernt liegt – jeden Stein. Bei Dir passioniertem Steine-Sammler halte ich dies zumindest für möglich.
Auf diesen Reisen ist mir immer wieder aufgefallen, dass Dir alles Utopische fremd ist. Du wirst ungeduldig, wenn Du das Gefühl hast, das andere zu lange zu komplizierten Gedankengängen folgen. Mit beiden Beinen fest auf der Erde, trotzdem im Glauben tief verwurzelt und gegenüber jedem sachlichen Argument zugänglich und offen bei einem gewissen Zurückschrecken vor dem Emotionalen – so würde ich Dich gerne charakterisieren, und das Erstaunliche an dieser Charakterisierung ist, dass man sie nahtlos auch auf Gustav-Heinemann anlegen könnte, der ja mit dem Hinweis unsterblich wurde, dass er nicht Deutschland, sondern seine Frau liebe.

 

Lieber Richard, Du bekommst am 40. Jahrestag von Gustav Heinemanns Wahl zum Bundespräsidenten den Heineman-Preis für Deine Verdienste um die deutsch-deutsche Einheit. Ich verstehe diese Auszeichnung nicht dahingehend, dass Du als Sprachrohr der Menschen aus der ehemaligen DDR gesehen wirst, sondern dass hier Deine Mittlerdienste gewürdigt werden, die Du für das Zusammenführen von Deutschen und Deutschen eingesetzt hast. Mit Deiner Fähigkeit, Argumente von beiden Seiten aufzunehmen, sie aufeinander zu beziehen, sich stets in die Lage des anderen zu versetzen und so vermittelnd tätig zu werden, dabei aber Unsinn entscheiden zurückzuweisen, bist Du zu einer der ganz wesentlichen und bestimmenden Stimmen im deutsch-deutschen Diskurs geworden. Und deswegen ist es auch so wunderbar, dass Du nun mit Frau Richter diesen schönen, wichtigen und mutmachenden Preis bekommen hast.

Meine Damen und Herren, wir haben bei unseren heutigen Preisträgern alle Tugenden versammelt, für die auch Gustav Heinemann einstand: den entschiedenen Einsatz für die Demokratie und die Bürgerrechte, das klare Bekenntnis zur Überwindung der deutschen Teilung, den Stolz auf den erreichten Grad der Zivilisierung und Humanisierung unseres Landes und seiner politischen Kultur sowie die Ablehnung eines falschen und tönernen Pathos‘, das die Sachargumente überdeckt. Ich hoffe, die anwesenden Angehörigen der Familie Heinemann sehen es nicht als Anmaßung wenn ich sage: Gustav Heinemann wäre heute stolz, wenn er diese Preisträger sehen könnte.

Ich beglückwünsche das Preis-Komitee zu seiner weisen Entscheidung und die beiden Preisträger des heutigen Tages zu der hohen Auszeichnung, die sie gleich verliehen bekommen werden. Ihnen und Euch allen danke ich für die Aufmerksamkeit.