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Lebenslauf

Gesine Schwan wurde 1943 in Berlin geboren. Sie stammt aus einer sozial engagierten Familie, die im Nationalsozialismus protestantischen und sozialistischen Widerstandskreisen angehörte.

 

Im letzten Kriegsjahr versteckten ihre Eltern ein jüdisches Mädchen vor den Nationalsozialisten. Vater Hans R. Schneider war später Oberschulrat in Berlin, ihre Mutter Hildegard war Fürsorgerin und politisch aktive Katholikin.

 
Schule

Gesine Schwan als Schülerin in Berlin. (© privat)

Nach dem Krieg setzten sich ihre Eltern für die Freundschaft mit Frankreich und Polen und für die europäische Verständigung ein. Gesine Schwan besuchte das Französische Gymnasium in West-Berlin, an dem sie 1962 das Abitur ablegte. Anschließend studierte sie Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Berlin und Freiburg/Breisgau. Dort lernte sie ihren ersten Mann, den Politikwissenschaftler Alexander Schwan, kennen. Am 17. Juli 1969 heiratete das Paar.

 


Berufliche Laufbahn

Zur Vorbereitung ihrer Dissertation über den polnischen Philosophen Leszek Kolakowski ("Eine Philosophie der Freiheit nach Marx") folgten Studienaufenthalte in Warschau und Krakau, wo sie in Kontakt mit polnischen Dissidenten stand. In dieser Zeit lernte sie Adam Michnik und Bronislaw Geremek kennen, später auch Wladislaw Bartoszewski. Diese Erfahrung prägte Gesine Schwans kritische Haltung zum Kommunismus. 1970 schloss sie ihre Promotion ab.

 
Studentin

Als Assistenz-Professorin in Berlin (© privat)

Ab 1971 war Gesine Schwan Assistenz-Professorin am Fachbereich Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin und habilitierte sich 1975 über die philosophischen und politökonomischen Voraussetzungen der Gesellschaftskritik von Karl Marx. Ab 1977 lehrte sie als Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere für politische Theorie und Philosophie, an der Freien Universität Berlin. Forschungsaufenthalte in Washington D.C., Cambrigde und New York folgten. 1992 wurde Gesine Schwan zur Dekanin am Otto-Suhr-Institut gewählt und blieb dies bis 1995.

 
Gesine Schwan

In Frankfurt/ Oder (© Heide Fest)

Von Oktober 1999 bis September 2008 war Gesine Schwan Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). An der 1506 gegründeten, 1811 nach Breslau verlegten und 1991 wieder errichteten Universität studieren 5.500 junge Menschen aus 70 Ländern, rund ein Drittel der Studierenden kommt aus Polen. 

Im Januar 2005 übernahm Gesine Schwan das Amt der Koordinatorin der Bundesregierung für die grenznahe und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit mit Polen, das sie bis September 2009 ausübte. Sie ist zudem Mitglied des Kuratoriums der deutsch-polnischen Wissenschaftsstiftung, deren Gründung sie maßgeblich vorangetrieben hat.

Gesine Schwan gründete gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern im März 2009 die HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance und war von Juni 2010  bis Juni 2014 deren Präsidentin.

Gesine Schwan ist Präsidentin und Mitgründerin der im Juni 2014 gegründeten HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform, Berlin.

 

Politisches Engagement

Gesine Schwan trat 1972 unter dem Eindruck von Willy Brandts Ostpolitik in die SPD ein. Sie war im Seeheimer Kreis in der SPD aktiv, der in den 70er Jahren neomarxistischen Positionen in der Partei entgegentrat.

Neben ihrer wissenschaftlichen Karriere arbeitete sie in zahlreichen politischen Gremien mit. Von 1977 bis 1984 und erneut seit 1996 ist sie Mitglied sowie seit 2014 Vorsitzende der Grundwertekommission beim Parteivorstand der SPD. Von 1985 bis 1987 hatte Gesine Schwan den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) inne, 1994 bis 2000 war sie Mitglied des Vorstandes der Deutschen Vereinigung für politische Wissenschaft (DVPW).

Gesine Schwan ist darüber hinaus

  • Mitglied des Kuratoriums der Theodor-Heuss-Stiftung (seit 1994)
  • Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Centre Marc Bloch in Berlin (seit 2001)
  • Mitglied im Senat der Max-Planck-Gesellschaft (seit 2005)
  • Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des CIERA (Centre interdisciplinaire d’études et de recherche sur l’Allemagne) (seit 2006)
  • Mitglied der Académie de Berlin (seit 2006)
  • Mitglied des Kuratoriums der Haniel Stiftung (seit 2006)
  • Mitglied des Kuratoriums des Stein-Preises der Alfred Töpfer Stiftung (seit 2007)
  • Mitglied des Kuratoriums des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) (seit 2008)
  • Mitglied des Kuratoriums der Deutsche Tinnitus-Stiftung Charité (seit 2016)


2004 wurde Gesine Schwan mit dem Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung ausgezeichnet. Am 30. September 1993 wurde ihr das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Am 4. Oktober 2002 verlieh ihr der Bundespräsident dann die nächsthöhere Stufe des Verdienstordens, das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2006 wurde Gesine Schwan mit der Ehrendoktorwürde des Europäischen Hochschulinstituts Florenz für ihre Verdienste um das Zusammenwachsen der Wissenschaftskulturen in Europa geehrt. 2010 erhielt sie die Goldene Ehrennadel der Stiftung Frauenbrücke-Preis für die innere Einheit in Deutschland sowie den Hedwig-Preis der Universität Breslau und der Stadt Breslau für ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung. 2011 wurde ihr der Winfried-Preis der Stadt Fulda für völkerverbindende Leistungen verliehen.

Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin 2004

Im März 2004 wählten SPD und Bündnis 90/Die Grünen Gesine Schwan  zur Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin. Bei der Wahl der Bundesversammlung am 23. Mai 2004 unterlag sie mit 589 zu 604 Stimmen ihrem Gegenkandidaten, Bundespräsident Horst Köhler.

Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin 2008/2009

Im Mai 2008 wurde Gesine Schwan erneut durch die SPD für die am 23. Mai 2009 stattfindende Wahl für das Amt der Bundespräsidentin nominiert. Der damalige Amtsinhaber Horst Köhler hat die Wahl mit 613 Stimmen im ersten Wahlgang gewonnen.

 
Gesine Schwan

2008 in Halle (© Marco Prosch)

Publikationen

Gesine Schwan publiziert seit Beginn ihrer wissenschaftlichen und politischen Tätigkeit regelmäßig. Die wichtigsten ihrer jüngeren Publikationen sind:

 
  • Woraus wir leben. Das Persönliche und das Politische (gemeinsam mit Christian Geyer; Piper, erscheint am 20.1.2009)
  • Allein ist nicht genug. Für eine neue Kultur der Gemeinsamkeit (gemeinsam mit Susanne Gaschke; Herder, 2007)
  • Demokratische Politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich (Hrsg.; Verlag für Sozialwissenschaft, 2006)
  • Antikommunismus und Antiamerikanismus in Deutschland. Kontinuität und Wandel nach 1945 (Nomos, 1999)
  • Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens (Fischer, 1997).


Tod ihres Mannes Alexander Schwan

1989 starb nach langer Krankheit ihr Ehemann Alexander Schwan. Er ließ Gesine Schwan mit ihren beiden Kindern zurück.

Heirat mit Peter Eigen

2004 heiratet Gesine Schwan zum zweiten Mal. Ihr Mann, Peter Eigen, ist Jurist und war Director der Regional Mission in Eastern Africa der Weltbank. Er ist Gründer der Nichtregierungsorganisation Transparency International, die sich weltweit gegen Korruption engagiert, sowie Vorsitzender  von EITI (Extractive Industries Transparency Initiative).