Gesine Schwan im Zitat

Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)

Als ich 1999 Präsidentin an der Viadrina wurde, war vor allem problematisch, dass damals sehr viel über Drittmittelfinanzierung lief. Aber Drittmittelfinanzierung kann eine Universität auf die Dauer nicht sichern.

Das zweite Dilemma war, dass Frankfurt an der Oder nicht als besonders attraktiv galt, was sich inzwischen in vielerlei Hinsicht geändert hat. Mir war auch völlig klar, dass sich die Anfangseuphorie für eine deutsch-polnische Institution nicht ewig halten würde. Meine Analyse im Jahr 2000 war: Diese Universität muss allein als wissenschaftliche Institution so attraktiv sein, dass junge Leute genau dorthin wollen. Ihnen muss etwas geboten werden, das sie nirgendwo anders kriegen. Ich habe dann ganz auf Interkulturalität und Mehrsprachigkeit gesetzt. Mehrsprachigkeit von Studiengängen haben wir sonst nirgends in Deutschland.

 
Ich habe auf Interkulturalität und Mehrsprachigkeit gesetzt. Mehrsprachigkeit von Studiengängen haben wir sonst nirgends in Deutschland.

Der zweite Schritt bestand darin, für die Internationalisierung des Lehrkörpers zu sorgen. Es ging mir ganz konkret um Wissenschaftsdialoge und Europäisierung. Die Viadrina war mein Praxisprojekt. Ich hatte mir vorgenommen, hier meine demokratietheoretischen Vorstellungen umzusetzen.

Diese neunjährige Präsidentschaft hat mich wirklich bis an meine Grenzen geführt. Dabei habe ich eine ganze Reihe von Widerständen kennen gelernt. Die kamen nicht von innerhalb der Universität, sondern von außen. Einmal wegen der zugrunde liegenden Idee, die Universität auf die Basis einer internationalen Stiftung zu stellen und dann, weil ich vom Bund Geld haben wollte, nämlich 50 Millionen Euro. Auch Frankreich und Polen sollten an der Finanzierung beteiligt sein. Der Plan war, durch Zinsertrag den Haushalt zu erhöhen, um eine stabile, erwartungssicher Lage zu erreichen, damit wir uns nicht ständig nach anderen richten mussten, sondern selbst entscheiden konnten.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch: Woraus wir leben. Das Persönliche und das Politische. (Gesine Schwan im Gespräch mit Christian Geyer)